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An einer Deutung der Effi Briest, die sich in der Forschung als überaus langlebig erweisen sollte, hat Fontane selbst mitgewirkt; Effis „Kreatürlichkeit“ ist zum Sinnbild des natürlichen und triebhaften Menschen geworden.[i] Attestiert wurde Effi lange Zeit fraglos eine unmittelbare Nähe zum Elementaren, eine „gefährliche Affinität zur Natur“[ii]. Ihr „eigentliches Element“ sei das Wasser, quasi ihre „Schicksalsmetapher“, womit sie zweifelsfrei in die anderen Melusinenfiguren in Werk Fontanes eingereiht werden könne.[iii] Angesichts der von Effi verinnerlichten starren gesellschaftlichen Normen, die zum Triebverzicht aufrufen, berge die Nähe zum Wasser damit die ständige Bedrohung „zu versinken“.[iv]
Ein Persönlichkeitsmerkmal Effis sorgt jedoch dafür, dass sie dieses Risiko ebenso lustvoll wie angstvoll leben wird, meisterhaft setzt es Fontane im Symbol des Schaukelns in Szene: das Ausloten der Gefahr, die Sehnsucht nach der Ungewissheit, die in der Grenzsituation zwischen „dich trägt dein Glück“ und „gleich stürz‘ ich“ zu erfahren ist. Deutlicher als bisher geschehen wird der Roman im Folgenden aus genderspezischer Perspektive gelesen.[v] Aus diesem Blickwinkel betrachtet, kann die Risikobereitschaft, die dem Schaukeln inne wohnt, zwar auch auf Effis Ehebruch übertragen werden. Es zeigt sich aber, dass Effi scheitern, stürzen, fallen muss, weil das Freiheits- und Glücksempfinden, das mit dem Schaukeln, „dem Fliegen“, verbunden ist, nicht auf den Ehebruch zu übertragen ist. Grund ist, dass sie als Ehebrecherin keineswegs ihrer „Kreatürlichkeit“, sondern unentrinnbar einem Geschlechtsstereotyp gehorcht.
„Tochter der Luft“[vi] wird Effi von der Mama genannt.[vii] Und „Luft“—verstanden als Atemluft, Lebensluft und Luft im physikalisch-klimatischen Sinne—stellt ein wesentliches Struktur-merkmal des Romans dar,[viii] das Effis Ersticken an den internalisierten weiblichen Denk- und Handlungsmustern ihrer Gesellschaft plausibel macht. Effis physisch-psychisches Ringen nach „Luft“ spiegelt nicht nur ihre Befindlichkeit im Spannungsverhältnis von gewünschtem Eigenen und aufgezwungenem Anderen; darüber hinaus zeigt es, wie sie die gesellschaftlich vorgegebene Definition von Weiblichkeit auf eine Weise verinnerlicht hat, dass sie ihr nicht entfliehen kann. Bereits als wir Effi kennenlernen, ist ihr „stürmisches Naturell“ diszipliniert. Ihre koketten „turnerischen Drehungen“, mit denen sie ihre Langeweile bei der (geschlechtstypischen) Stickerei kundtut, sind keineswegs mehr „natürlich“. „Effi, eigentlich hättest du doch wohl Kunstreiterin werden müssen“(8), stellt Luise von Briest fest und unterbindet sofort jene stürmische Umarmung, mit der die Tochter den Verzicht der Mutter honoriert, aus ihr eine „Dame“ machen zu wollen: „Nicht so wild, Effi, nicht so leidenschaftlich. Ich beunruhige mich immer, wenn ich dich so sehe...‘“(9).
Luise von Briest liegt mit der Charakteristik durchaus richtig. „Immer am Trapez, immer Tochter der Luft. Ich glaube beinah, daß du so was möchtest.“ (8) Und Effi kontert: “Vielleicht Mama. Aber wenn es so wäre, wer wäre schuld? Von wem hab ich es? Doch nur von dir. Oder meinst du, von Papa? Da mußt du nun selbst lachen. Und dann, warum steckst du mich in diesen Hänger, in diesen Jungenskittel?“ (8f.) Wir sehen Effi zu Beginn des Romans in der „regressiven Welt des Hohen-Cremmener Gartens“[ix], in den sie zurückkehrt, um zu sterben. An ihrem Lebensende trägt sie wieder den Jungenskittel. Dazwischen liegt ihr gefahrvolles Leben als Frau, an dessen Folgen sie zerbricht.
Doch das Spiel im Garten ist nur scheinbar kindlich-neutral. Tatsächlich sind selbst hier die eigenen Grenzen nur auszutesten, wenn wenigstens das Äußere männlich attributiert ist. Was Effis koketter Rede folgt, ist als Drohung gegen die Mutter interpretiert worden, [x] das „risikoreiche“ weibliche Spiel mit der Gefahr, das von der Gesellschaft geahndet wird: „Mitunter denke ich, ich komme noch wieder in kurze Kleider. Und wenn ich die erst wieder habe, dann knicks ich auch wieder wie ein Backfisch, und wenn dann die Rathenower herüberkommen, setze ich mich auf Oberst Goetzes Schoß und reite hopp, hopp.“ (9) Die skandalträchtigen Implikationen dieses sexualisierten „Spiels“ können später in der Reaktion der Weihnachts-Gesellschaft auf das Verhalten der vierzehnjährigen Cora Ring nachgelesen werden. Doch als es zu Beginn des Romans gilt, Effi siebzehnjährig an den achtunddreißigjährigen Innstetten zu verheiraten, da ist das Zurschaustellen der verführerischen „unbewussten“ Kindlichkeit Teil der Heiratsstrategie der Mutter. Gibt sich das Kind Cora also verführerisch weiblich, indem es sich auf „‘Onkel Crampas‘‘ Schoß“ (157) setzt, gilt es als frevelhaft, weil es einem bewussten koketten Verhalten zugeschrieben wird; Effi jedoch wird im entscheidenden Moment suggeriert, als „Kind“ aufzutreten, weil ihre „Unschuld“ den potentiellen Bräutigam „verführen“ soll. Das heißt: Zwar sind die jungen Frauen zwischen vierzehn und siebzehn Jahren bereits auf die Ehe konditioniert (auch Cora Ring kokettiert zum Missfallen Effis mit Crampas und Innstetten), müssen jedoch ihre Weiblichkeit hinter der Fassade unschuldiger Kindlichkeit verbergen.
Der „Jungenskittel“ schützt insofern vor der weiblichen Rolle, die von komplizierten, widersprüchlichen Regeln beherrscht ist, und gewährt in bescheidenem Rahmen jene Freiheit, die mit dem Bedürfnis nach „Luft“ einhergeht—jedenfalls so lange, bis dieser Schutz von Luise von Briest umfunktionalisiert und zerstört wird. Entsprechend erhält die „Luft“ noch in den Gesprächen mit den Freundinnen symbolischen Wert. Effi hätte gerne einen Mastbaum „mit Rahen und Strickleiter“ und möchte den Wimpel selbst festmachen. „Und du Hulda“, so heißt es, „du kämst dann von der anderen Seite her herauf, und oben in der Luft wollten wir Hurra rufen und uns einen Kuß geben. Alle Wetter, das sollte schmecken.“ (15) Das Erklimmen des Mastbaumes drückt hier ein Freiheits-bedürfnis aus, das nur in raum-entgrenzter Atmosphäre zu befriedigen ist, oben in der Luft. Und wieder ist diese Freiheit nur dann zu erträumen, wenn sich Effi männlich phantasiert, als „Midshipman oder Schiffsjunge“ (15). Der saloppe und von Hulda entsprechend kritisierte Ausruf „alle Wetter“ hat im Roman Verweisungscharakter. Denn nicht nur die von dem herrschenden Weiblichkeitsbild unterdrückte ungestüme Wesensart Effis wird im Motiv ihres Verlangens nach „Luft“ thematisiert, sondern Fontane unterstreicht in der Darstellung meteorologischer Begleitumstände auch den „natürlichen“ Ablauf der Tragödie der Effi Briest.[xi] Wie Effis Bedürfnis nach Luft ihre Sehnsucht nach Freiheit widerspiegelt, so gibt die Wetterlage einen Hinweis auf die Dinge, die in der „Luft liegen“.
Am 4. Oktober, dem Tag nach der Hochzeit des Innstettenschen Paares, strahlt zwar die Morgensonne und kündet von der Hoffnung, die mit dem freudigen Ereignis verbunden ist, gleichwohl ist es „schon herbstlich frisch“ (37). Der Hoffnungsschimmer, den die Sonne verbreitet, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Ehe Frühling und Sommer fehlen werden. Die stickigen, beengten Räumlichkeiten in Kessin—zu denen der Chinesenspuk wesentlich beiträgt—, rauben der jungen Frau den Atem, und so ist es nur konsequent, wenn Innstetten zur Wiederherstellung des Ehefriedens „nichts Besseres als frische Luft“ zu empfehlen weiß, gerade weil das Wetter „frisch und milde (ist), kaum daß ein Lüftchen geht“ (84). Mag Innstettens Vorschlag auch gut gemeint sein und getragen von der Hoffnung, das „milde Lüftchen“ werde das eheliche Sturmtief endgültig ablösen, Effis Bedürfnissen kommt das „Lüftchen“ nicht entgegen. Ihre Reaktion ist bezeichnend, sie „hatte, nach allem, was noch auf ihr lag, so sehr das Bedürfnis nach frischer Luft, daß sie alles (Fußsack und Pelze, K.T.) zurückwies und nur eine doppelte Decke nahm“ (85). Bereits hier ist eine Information bereitgestellt, die auf das spätere Ende Effis hindeutet. Dem lebenswichtigen Verlangen nach frischer Luft wird um den Preis gesundheitlicher Beeinträchtigung nachgegeben. Denn dass die Luft in Preußen wirklich gesund ist, wird wenig später von der Trippelli infrage gestellt.[xii] Dass sie—trotz des starken Tees—in Rußland wundervoll schläft, führt diese auf „die Luft . . . oder das späte Diner oder weil man so verwöhnt wird“ zurück. Die Luft wird hier zu einem ganzheitlichen Lebenselixier, das sich nur in einem (exotischen) Raum entfalten kann. Trippellis Quintessenz, geographisch benannt und mental gedacht, ist in Bezug auf Effis preußische Wirklichkeit eine utopische Alternative: „Sorgen gibt es in Rußland nicht“ (97). Sie ist umso mehr eine unerreichbare Fiktion, als sie—deren weibliche Rolle auf die Ausübung der landrätlichen Repräsentationspflichten beschränkt ist—am gesellschaftlichen Leben kaum teilnimmt.
Die Dürftigkeit des gesellschaftlichen Lebens in Kessin und die Borniertheit des Landadels verhindern eine Identifikation mit der Rolle, die einer verheirateten Baronin Innstetten zusteht - und auf die hin ihr Denken und Fühlen seit ihrer Kindheit konditioniert ist.[xiii] Effi bleibt Zaungast. Über die Strandspaziergänge der Schwangeren heißt es: „Aber wenn sie saß und von ihrem bequemen Platz aus die Wagen und die Damen in Toilette beobachtete, die da hinausfuhren, so belebte sie sich wieder. Denn Heiteres sehen war ihr wie Lebensluft.“ (111) Während Effi noch in Hohen-Cremmen ihr Bedürfnis nach Luft auf der Schaukel und in ihren Phantasien als Midshipman aktiv ausleben kann, ist sie in Kessin nur noch passive Beobachterin, hat sie an Heiterem nur noch als Zuschauerin teil. Vergangene Gefühlsintensitäten lassen sich daher nur wieder beleben, wenn sich der Gedanke an ihren Status als verheiratete Frau in Momenten erlebten Glücks verdrängen lässt. Bei ihrem Besuch auf Hohen-Cremmen
war ihr ganz aus dem Sinn gekommen, überhaupt verheiratet zu sein. Das waren dann glückliche Viertelstunden gewesen. Am liebsten aber hatte sie wie früher auf dem durch die Luft fliegenden Schaukelbrett gestanden und in dem Gefühl: ‚jetzt stürz ich‘ etwas eigentümlich Prickelndes, einen Schauer süßer Gefahr empfunden. (121)
Das Rollenangebot, das Baronin Innstetten in Kessin zur Verfügung steht, ist ebenso schmal, wie ihre Verpflichtungen begrenzt sind. Das Personal entlastet von der Sorge um Kind und Haushalt, ein kirchliches oder karitatives Engagement wird nicht verlangt.[xiv] Die Pflichten als Ehefrau, seien sie privater oder öffentliches Natur, sind gering. Ihre Rolle, die ihr in dieser „Musterehe“ und in der Öffentlichkeit zugewiesen wird, heißt Weiblichkeit. [xv] Es ist eine Rolle, in der sich tatsächliche Sittenstrenge mit scheinbarer Verführungskunst verbinden soll. Auf seine junge Frau kann der eitle Ehemann stolz sein, weil sie sein Image mehr aufwertet als das Kind, das er geheiratet hat. Innstettens Beobachtung nach Effis Rückkehr aus Hohen-Cremmen, „Du hast was Verführerisches“ (125), pariert die junge Frau daher nur scheinbar kokett, wie häufig enthält das harmlose Geplauder am Kaffeetisch die bittere Wahrheit: „‘Ach, mein einziger Geert, das ist ja herrlich, was du da sagst; nun wird mir erst recht wohl ums Herz... Gib mir noch eine halbe Tasse... Weißt du denn, daß ich mir das immer gewünscht habe? Wir müssen verführerisch sein, sonst sind wir gar nichts...‘“ (125)
Nein, sonst ist Effi gar nichts. Das Problem ist eher: Auch verführerisch ist sie gar nichts. Denn was als schöner Anstrich die brave Fassade der Ehefrau aufwertet, wird vom biederen Ehemann zwar gewürdigt, aber keineswegs tatkräftig belohnt. Selbst Effis Hinweis an ihren lendenlahmen Gatten, er sei „eigentlich ein Zärtlichkeitsmensch und unter dem Liebesstern geboren“, zeitigt keine Folgen. Der Grund wird von Effi benannt und von Geert bestätigt: „Du willst es bloß nicht zeigen und denkst, es schickt sich nicht und verdirbt einem die Karriere.“ (125) Da bleibt Effi nur, ihr dürftiges Handlungspotential zu nutzen und die neue Rolle an Crampas zu testen. Identität gewinnt sie dadurch nicht. Sowohl als Ehefrau als auch als Geliebte von Crampas verhält sie sich gemäß jenem "Gesellschaft-Etwas“, das sie prägt, Effi spielt ein eingeübtes Spiel.[xvi] Und deshalb ist das, was sie in der Affäre mit Crampas sucht, weder Liebe noch sexuelle Erfüllung, sondern in erster Linie aufregende Vergnügung in ihrer anderen "dunklen" Rollenidentität als Frau. Den Ehemann wählt sie aus Gründen, die „mit ihm persönlich nichts zu tun haben“[xvii], den Damenmann Crampas nicht minder.[xviii] Was sie im Jungenskittel in Hohen-Cremmen an Gefahrvollem auslebte, das lebt Effi in Kessin im Gewand der Verführerin aus. Beiden Rollen gemeinsam ist: Trotz eines gerüttelten Maßes an „weiblichem“ Wissen beharrt sie darauf, Kind, d.h. unwissend und unschuldig zu sein. Zu Recht ist darauf hingewiesen worden, dass sowohl der "Karrieremann" Innstetten als auch der "Damenmann" Crampas als "Muster von Männlichkeit" Geltung beanspruchen können.[xix] Und beide verkörpern als Pendant jene weiblichen Rollenangebote, die Effi zur Verfügung stehen: Landrätin und Verführerin, Ehefrau und Geliebte—die nach außen gespielte Rolle und die im Geheimen ausgelebte. Während der Ehemann „öffentlich“ agiert, ist Crampas im Sinne Kierkegaards dem Typus des „reflektierten Verführers“ zuzurechnen. Was ihn kennzeichnet, ist „die heimtückische, planmäßige, Schritt für Schritt vorgehende Verführung“, die der „Rede als Mittel seiner Wirkung“ bedarf. Diese Wirkung zielt wiederum darauf, dem „Opfer“ sein Erliegen als Freiheit zu suggerieren.[xx]
An ihre Mutter schreibt sie dennoch in unbewusster Präzision, was sie von Crampas‘ Anwesenheit im langweiligen Kessin erwartet. Der Brief ist ein Musterbeispiel retuschierter Informationen. Er beginnt damit, dass Effi ihrer Mutter mitteilt, „beinah vergessen“ (106) zu haben, was das „Wichtigste“ ist, Crampas Ankunft. Nur dürftig erklärt sie ihr Interesse mit dem gesellschaftlichen Notstand in Kessin. Es ist wohl eher der libidinöse Notstand, dessen Behebung Crampas‘ Ankunft assoziiert, denn, so klagt Effi ihrer Mutter, eine innige Freundschaft zur Familie Crampas sei ausgeschlossen, da er ein „Damenmann“, und sie, Frau Crampas, eifersüchtig sei. Zu einem außerehelichen Verhältnis gehören aber zwei, doch statt die Möglichkeit der eigenen Beteiligung auszuschließen, wird die Berechtigung zur Eifersucht hervorgehoben, indem Effi—hoch angetan—von Crampas Duell „um eben solcher Dinge willen“ berichtet. Fasziniert scheint Effi von der körperlichen Beschädigung des Majors, "„ich glaube, sie nennen es Resektion.“ Hörbar klingt aus diesen Zeilen an die Mama die Angstlust Effis heraus, unter den Ärmel zu schauen. Obendrein fühlt sich Crampas—nach Effis Interpretation—durch seine Frau drangsaliert, obgleich er "„ausgelassen und übermütig“ sein kann. Effis abschließende Beurteilung betont ein Verhalten innerhalb gesellschaftlicher Formen, „vollkommener Kavalier“ mit der Option, sie zu umgehen, „ungewöhnlich gewandt“ (107). Die Interpretation des unbekannten Crampas folgt somit den eigenen Befindlichkeiten: der Lust nach Abwechslung, der Angst vor ehelichen Repressalien, der offensichtlichen, gleichwohl interessanten körperlichen Erschwernis, des heimlichen „Anderssein“ und dem standesgemäßen öffentlichen Funktionieren.
Effis Affäre mit Crampas ist somit vorgegeben, sie liegt buchstäblich in der Luft. Als atmosphärische Wahrnehmung gibt sie Fontane Zug um Zug in wetterwendischen Umschreibungen preis. „Alle Wetter“ begleiten die Affäre mit Crampas tatsächlich. „Das Wetter ist schön und mild“ (124) an jenem Tag, auf den Effi rückblickend den Beginn der Beziehung zu Crampas datiert. Da sitzt sie auf der Veranda, die, wie sie bemerkt, „kein Haus“ ist und insofern weder Schutz bietet noch die Drangsal der Konventionen vorschreibt: „Da wird man formlos oder, wenn Sie wollen, intim“. Crampas will, das steht angesichts seines Rufes als hinterpommerscher Don Juan außer Zweifel, und Effi ist ebenfalls nicht abgeneigt: „und nun setzen Sie sich und geben Rechenschaft von Ihrem Tun. Denn an Ihrem Haar (ich wünschte Ihnen, daß es mehr wäre) sieht man deutlich, daß Sie gebadet haben“ (126).
Diese Szene hat es in sich. Nicht nur winkt Innstetten den Nebenbuhler selbst heran, „nur näher, . . . nur näher“, auch Effis Rede an ihn erhebt sich mit subtilen Anspielungen über die konventionelle Form. So ist mit dem Hinweis auf das nasse Haar nicht nur freudianisch ein Symbol der Potenz benannt (was die guten Wünsche nach mehr doch recht süffisant erscheinen lassen), auch mythologisch ist das Haar von Bedeutung, „als Träger oder Sitz zumindest eines Teils der Seele“, was sich unter anderem an seiner Wichtigkeit für Zaubersprüche oder am Austausch von Glücksbringern zwischen Verliebten zeigt.[xxi] Dass Effi darüber informiert ist, gesteht sie an anderer Stelle selbst. In dem Gespräch mit Annie heißt es: „Mythologie war immer mein Bestes.“ (278) Zudem assoziiert der Hinweis auf das Bad deutlich fehlende Bekleidung und spielt somit kaum kaschiert auf den nackten Körper und damit auf Sexualität an.
Die atmosphärischen Hinweise bleiben entscheidend für das Erfassen dessen, was in der Luft liegt, denn mitnichten bleibt das Wetter „schön und mild“. Als nach dem Beginn von Innstettens Wahlkampagne Effi die Ausritte mit Crampas allein unternimmt, da heißt es: „Ein Wetterumschlag war freilich eingetreten, ein andauernder Nordwest trieb Wolkenmassen heran, und das Meer schäumte mächtig, aber Regen und Kälte fehlten noch, und so waren diese Ausflüge bei grauem Himmel und lärmender Brandung fast noch schöner, als sie vorher bei Sonnenschein und stiller See gewesen waren.“ (132) Die Wellen des Begehrens schlagen also hoch und „verstärken die philobatischen Genüsse“[xxii]. Deutlich droht das gefahrvolle Moment in den Wolken, die jedoch weit entfernt genug scheinen, um tatsächlich Gefahr zu bringen. Im übrigen bieten die Dünen Schutz, „Effis Schleier flatterte nicht mehr“[xxiii].
Schließlich steigert sich der Nordwest bis zum Sturm. Doch zu diesem Zeitpunkt hat Crampas mit seiner didaktischen Auslegung des Chinesenspuks den Ehemann madig gemacht und sich selbst als Fluchthelfer aus der unbefriedigenden Ehe angebote—und lässt zunächst einmal seine Worte wirken, indem er sich entzieht. Was Crampas sagt, muss zwar nicht unbedingt das sein, was er denkt, denn hätte Effi gelesen, was Crampas ihr als Lektüre empfohlen, dann wäre ihr manches Gespräch in einem anderen Lichte erschienen.[xxiv] Dass Effi unbelesen—dafür gegen den Ehemann gestimmt und für den Rezitator eingenommen—zurückkommen wird, darf der Major, erfahren im Umgang mit Damen, wohl getrost in sein Unternehmen einplanen. Als sich das Unwetter ausgetobt hat—draußen und drinnen—„kamen noch ein paar sonnige Spätherbsttage“, die Effi veranlassen, die Spazierritte mit Crampas wieder aufzunehmen (137). Der Einbruch des Winters verhindert indessen weitere Ausritte. So wird ein Theaterstück inszeniert, der „Schritt vom Wege", für das der Major, "einstimmig in das Vergnügungskomitee gewählt" (146), die Regie übernimmt, ohne Effi in ihr Spiel hineinzureden: "Und er war klug und Frauenkenner genug, um den natürlichen Entwicklungsgang, den er nach seinen Erfahrungen nur zu gut kannte, nicht zu stören." (147)
Effi wird seine Geliebte, nicht aus Liebesleidenschaft, vielmehr, weil das Verhältnis zu Crampas die Freiheit zu sein scheint, nach der sie strebt. „(D)ie Luft war frisch“ (159), als sie ohne Schutzleder am Schlitten hart an der Brandung vom Oberförster Ring nach Kessin zurückfährt. Die alles entscheidende Schlittenfahrt zeigt wiederum am Symbol der „Luft“, dass mit dem Beginn der Affäre auch die (Atem)Not beginnt. Über Effi, die die frische Luft während der Fahrt wie ein Lebenselixier genießt, heißt es im Moment der Annäherung: „Bis dahin waren Luft und Licht um sie her gewesen, aber jetzt war es damit vorbei, und die dunklen Kronen wölbten sich über ihr.“ (164)
„Alle Wetter“ begleiten auch fortan die Affäre. Ein „scharfer Nordost“ geht seit Silvester und lässt jenes Schiff stranden, dessen Rettung Effi Tränen der Erleichterung entlockt. Bereits Mitte Januar geht die Achtzehnjährige äußerst routiniert dem Ehebruch nach. „Das Wetter war schön, ein milde, frische Luft ging, der Himmel bedeckt.“ „Bewegung und frische Luft“ hat der Arzt verordnet, so behauptet sie jedenfalls gegenüber dem Gatten, und so tritt Effi geradezu aus gesundheitlichen Gründen die Spaziergänge zum Strand an. Ein erhebliches Maß an Dreistigkeit, das einer jungen Tochter aus gutem Hause nicht unbedingt zuzutrauen ist, kann dabei beobachtet werden. So lässt sie den Gatten allein den Einladungen aufs Land folgen und verabschiedet ihn mit Worten, die angesichts ihres Vorhabens nicht anders als impertinent zu beurteilen sind: „‘...Übrigens freu ich mich, und das ist das einzige Gute dabei, dich jedesmal, wenn du fährst, eine Strecke des Wegs begleiten zu können, bis an die Mühle gewiß oder bis an den Kirchhof oder auch bis an die Waldecke, da, wo der Morgnitzer Querweg einmündet. Und steig ich ab und schlendere wieder zurück. In den Dünen ist es immer am schönsten.‘“ (173) Verfügt Effi bereits in Hohen-Cremmen über ein beachtliches Wissen über das Verhältnis der Geschlechter[xxv]—hier nutzt sie es.
Die Spaziergänge am Strand, die wohl deshalb die ärztlich monierte Blässe auf Effis Wangen nicht zu tilgen vermögen, weil sie zu bald in jenem Haus zwischen Kirchhof und Waldecke enden, setzen ein Wissen um die (Un)wägbarkeiten des Ehebruchs voraus. Bereits jenes rührende Gleichnis der „Gottesmauer“ wird bemüht, weil Effi sich Vorstellungen machen kann, „nicht bloß nach dem, was man persönlich erfahren hat, auch nach dem, was man irgendwo gehört oder ganz zufällig weiß“ (154).[xxvi] Es ist eben der ganz normale Entwicklungsgang—wohl deshalb wird der Verlauf der Affäre auch nicht erzählt, sondern nur ihre Folgen:
Sie litt schwer darunter und wollte sich befreien. Aber wiewohl sie starker Empfindungen fähig war, so war sie doch keine starke Natur; ihr fehlte die Nachhaltigkeit, und alle guten Anwandlungen gingen wieder vorüber. So trieb sie denn weiter, heute, weil sie's nicht ändern konnte, morgen, weil sie's nicht ändern wollte. Das Verbotene, das Geheimnisvolle hatte seine Macht über sie.
So kam es, daß sie sich, von Natur frei und offen, in ein verstecktes Komödienspiel mehr und mehr hineinlebte. Mitunter erschrak sie, wie leicht es ihr wurde. Nur in einem blieb sie gleich: sie sah alles klar und beschönigte nichts. (172)
Das schlechte Gewissen, das Effi quält, ist nicht dem von der Gesellschaft geahndeten Ehebruch zuzuschreiben. Vielmehr gründet es darin, dass sie selbst keine Möglichkeit hat, ihre „Tat“ zur Stärkung ihres Selbstbewusstsein zu nutzen. Zum Vergleich—Melanie van der Straaten in L‘Adultera wird durch die ehebrecherische Liebe zu Rubehn zum Subjekt. Untreue wird zur Voraussetzung der Selbsttreue: "Das Geschehene, das wußte sie, war ihre Verurteilung vor der Welt, war ihre Demütigung, aber es war doch auch zugleich ihr Stolz, dies Einsetzen ihrer Existenz, dies rückhaltlose Bekenntnis ihrer Neigung. “ (100) Und dann: „Ich will fort, nicht aus Schuld, sondern aus Stolz, und ich will fort, um mich vor mir selber wieder herzustellen. . . . Ich will den Kopf wieder hochhalten und mich selber wieder fühlen lernen.“ (101f.) Sich „selber wieder fühlen“ zu lernen, verweist in L’Adultera auf mehr als auf die Bedürfnisse des Körpers, die Melanie im Ehebruch befriedigt. Das „Selbst“ muss hier verstanden werden als die primäre Struktur des Seelischen, der das Triebgeschehen nachgeordnet ist. „Sich selbst wieder herzustellen“, zielt auf ein umfassendes und geordnetes Selbst, das sich seiner Konturen bewusst ist. Das Glück der Melanie van der Straaten besteht demnach nicht nur in der Vergewisserung ihrer Existenz als Liebende, die ausdrücklich auch sexuelle Identität einschließt, sondern auch in ihrer Arbeit, mit der sie an der Seite Rubehns gleichberechtigt für den gemeinsamen Lebensunterhalt sorgen kann.
Anders Effi, die nicht liebt, sondern auf ehebrecherische Weise „verführerisch“ ist. Damit bricht sie wie Melanie mit den äußeren rigiden Normen der Gesellschaft, schlägt aber keineswegs den Weg zur Subjektwerdung ein. Darin liegt das eigentlich Anklagende des Romans begründet. Nicht die verinnerlichte Treueideologie verhindert die volle Befriedigung im außerehelichen Verhältnis, sondern die dem „Verführerischen“ immanente Subjektlosigkeit der Frau.[xxvii] Aus diesem Grunde reklamiert Effi in jenem lange nach der Trennung von Crampas stattfindenden Monolog, der das Gewesene in seiner Bedeutung für die Gegenwart reflektiert, lediglich den Verlust ihrer Aufrichtigkeit als Verlust ihres Selbst:
Ich schäme mich. Aber wie ich nicht die rechte Reue habe, so hab ich auch nicht die rechte Scham. Ich schäme mich bloß von wegen dem ewigen Lug und Trug; immer war es mein Stolz, daß ich nicht lügen könne und auch nicht zu lügen brauche, lügen ist so gemein, und nun habe ich doch immer lügen müssen, vor ihm und vor aller Welt, im großen und im kleinen . . . Aber Scham über meine Schuld, die hab ich nicht oder doch nicht so recht oder doch nicht genug, und das bringt mich um, daß ich sie nicht habe. Wenn alle Weiber so sind, dann ist es schrecklich, und wenn sie nicht so sind, wie ich hoffe, dann steht es schlecht um mich, dann ist etwas nicht in Ordnung in meiner Seele, dann fehlt mir das richtige Gefühl. (223)
Effis Mutmaßung, mit ihrem Tun und dem Fehlen der rechten Reue zu „allen Weibern“ zu zählen—was sie aufgrund ihrer Kontaktarmut nicht überprüfen kann—, impliziert, dass „das Verführerische“ als weibliches Identitätsmodell „theoretisch“ gesellschaftlich sanktioniert ist. Denn makellose weibliche Sittenstrenge, wie sie in der unverheirateten Sidonie von Grasenabb und in Johanna vorgeführt wird, aber auch in den verheirateten Frauen, Frau von Crampas und Frau Kruse, ist nicht nur vom Erzähler mit fragwürdigem Reiz ausgestattet; auch die Kommentare der Romanfiguren offenbaren zumindest eine zweifelhafte Akzeptanz. „Echte“ Weiblichkeit hat etwas Verführerisches, auch wenn genau das im Dunkeln zu bleiben hat; was theoretisch zur Grundausstattung einer attraktiven Frau gehört, wird „praktisch“ aber im Handlungspotential tabuisiert, ja mit dem gesellschaftlichen Tod geahndet.[xxviii] Effis Monolog offenbart auch dieses Wissen; nicht nur das Lügenspiel quält sie, sondern auch „Angst, Todesangst, und die ewige Furcht: es kommt doch am Ende noch an den Tag.“ (223) Die Effi an gesellschaftlicher Stellung ebenbürtige Geheimrätin (!) Sophie von Zwicker stellt in ihrem Brief an die Freundin einen (neben jenen, die den Männern gelten) weiteren „Weisheitssatz“ auf, der eheliche Treue infrage stellt: „Es ist unglaublich - erst selber Zettel und Briefe schreiben und dann auch noch die des anderen aufbewahren! Wozu gibt es Öfen und Kamine?“ (263) Sie selbst hat es offenbar vermocht, ein (geheimes) erotisches Leben zu führen, das zwar Vermutungen schürte, aber nicht Beweise lieferte und sie somit vor den in der Wilhelminischen Ära geltenden Sanktionen gegen eine Ehebrecherin schützte.[xxix]
Höchst aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang, was Fontane nicht erzählt, was aber dennoch den Entwicklungsgang forciert, die indirekte Beteiligung des (fast) gesamten Romanpersonals an der Affäre durch vorgegebene Ahnungslosigkeit. Das beginnt mit der Mutter. Luise von Briest sieht sich—trotz genauer Kenntnis der Tochter und deren fehlender „Festigkeit“—nach der Lektüre ihres Briefes, in dem Effi das offensichtliche Interesse an Crampas bekundet, in keiner Weise herausgefordert, ihre Tochter zu warnen. Dass sie Ahnung von den Vorkommnissen in Kessin hatte, räumt sie mehrere Male gegenüber Briest ein; zudem weiß der Erzähler, dass sie „nach Frauenart nicht ganz abgeneigt war, die ganze Sache, so schmerzhaft sie war, als einen interessanten Fall anzusehen“ (284).
Zudem: Kessin ist ein Dorf von dreitausend Seelen, die in den Wintermonaten allesamt der Langeweile ausgesetzt sind. Mithin blüht der Klatsch. Dass die junge Landrätin jeden Tag (allein) zu einem „Haus zwischen dem Kirchhof und der Waldecke“ (193) wandern könnte, ohne die Aufmerksamkeit der Bewohner Kessins zu erregen, ist ebenso unwahrscheinlich wie ein tägliches Rendezvous ohne jene Mitwisser, die dem Paar ein Obdach zur Verfügung stellen—denn dass es Mitte Januar zu kalt ist, den Ehebruch in den Dünen zu vollziehen, dürfte dem aufmerksamen Leser wohl kaum entgehen. Die Dienstboten tun ihr Übriges, um den Dingen ihren Lauf zu lassen. Roswithas schweigende Mitwisserschaft geht aus der naiv-beredten Parallelisierung von Effis Affäre zu ihrer eigenen Beziehung zum verheirateten Kruse hervor. Und auch Johannas (faktische) Blindheit gegenüber den Ungeheuerlichkeiten im Hause Innstetten darf bezweifelt werden. Kaum ist das junge Ehepaar Innstetten in Kessin angelangt, gibt Johanna freimütig der Frau des Amtsdieners, Frau Paaschen, Auskunft über die Zärtlichkeit des Hausherrn gegenüber seiner jungen Frau. Auch an diese Gepflogenheiten wird Luise von Briest gedacht haben, als sie ihrer Tochter von einer roten Ampel im Schlafzimmer abrät. Alle ahnen, wissen, sehen den Ehebruch. „(I)ch habe einen sehr ausgezeichneten Mann“, versucht Effi auf dem Neujahrsball noch vorzuschützen. „Weiß ich“, entgegnet die Ritterschaftsrätin von Padden, die „das, was die Natur nach der wendisch-heidnischen Seite hin für sie getan hatte, durch christlich-germanische Glaubenstrenge wieder in Ausgleich zu bringen [suchte]. . . . Aber das hilft nicht immer. Ich hatte auch einen ausgezeichneten Mann.“ Kaum anzunehmen, dass sie die Tischreden Luthers, die sie der jungen Frau zur Stärkung gegen Anfeindungen empfiehlt, selbst für hilfreich hält, denn, so räumt sie ein, „das mit dem Fleisch, das bleibt . . .“ (168f.).
Schließlich: Es ist Innstetten, der dem Liebhaber seiner Frau indirekt mit dem Chinesenspuk das Terrain bereitet, es ist Innstetten, der Crampas „näher“ winkt, es ist Innstetten, der die weihnachtliche Landpartie zum Oberförster Ring mit Crampas verabredet, es ist Innstetten, der den Weg durch den Wald einschlägt, in dem es zur ersten Annäherung Effis und Crampas‘ kommt. Und trotz eines erheblichen Misstrauens geht er seinem Verdacht nicht auf den Grund. Dabei ist seine Einstellung zu Crampas deutlich, den er selbst vor Effi als Damenmann bezeichnet, „und nun Damen wie du, das ist seine besondere Passion. Und ich wette auch, daß es keiner besser weiß als meine kleine Frau selber“ (149). Was dem Damenmann zuzurechnen ist, scheint gewiß: „Aber er ist so’n halber Pole, kein rechter Verlaß, eigentlich in nichts, am wenigsten mit Frauen.“ (150) Mehrere Male fliegt sein Blick „scharf“ über seine Frau hinweg, aber erst als der Beweis auf der Hand liegt—offensichtlich vor den Augen des Dienstpersonals—, ist er bereit, die Begebenheiten in Kessin in ihrem ganzen Ausmaß zu erkennen.
So muss sich Effi auch durch eine „ungünstige Witterung“ nicht abbringen lassen, die Spaziergänge wieder aufzunehmen, als Crampas aus Stettin zurück ist. Zudem schilt sie Roswitha wegen ihres Interesses an dem verheirateten Kruse! Versteckt ist hier der Vorteil der verheirateten Frau gegenüber der unverheirateten. Denn als die traumatisierte Roswitha zum wiederholten Male erzählt, wie ihr das Kind genommen wurde, und mit dem Ausruf schließt, „die heil’ge Mutter Gottes bewahre Sie vor solchem Elend“, da ist Effi „doch mehr erschrocken als empört“ (181) und verweist auf ihren Status als Ehefrau, der eine Schwangerschaft in der Tat weit weniger Sorgen bereiten würde.
Effis Abreise nach Berlin lässt atmosphärisch die Katastrophe ahnen. Die grauen Wolkenmassen, die die ersten Spazierritte am Strand begleiteten, haben sich gesenkt. „Über dem Wasserspiegel hingen graue Wolken“, sie lassen die Hoffnung auf ein glückliches Ende schwinden, „und nur dann und wann schoß ein halb umschleierter Sonnenblick aus dem Gewölk hervor“ (194). Kaum in Berlin angekommen, droht mit der Order, nach Kessin zurückzukehren, neues Unheil. Und wieder wird ein Arzt zum Komplizen der jungen Frau. Ihre Not erkennend, verschreibt er zwei Mittel, die Fontane—der Apotheker—mit Bedacht wählt: „Aqua Amygdalarum amararum eine halbe Unze, Syrupus florum Aurantii zwei Unzen“ (203). Das erste ist ein Medikament gegen Asthma und Keuchhusten—tatsächlich ist Effi zu diesem Zeitpunkt keineswegs erkrankt. Von Bedeutung ist also der symbolische Wert, die Medizin soll der jungen Frau in Berlin das Atmen erleichtern. Allerdings handelt es sich dabei um ein toxisches Mittel, einen „Auszug aus Bittermandelsamen“, so dass sich mit dessen Verabreichung bereits Effis Todesform ankündigt. Das zweite ist ein Beruhigungsmittel mit appetitanregender Funktion,[xxx] ein harmloses, oft als Placebo verwendetes Medikament.[xxxi]
Effi darf also Dank der gütigen Hilfe des alten Arztes in Berlin bleiben. Ein „klarer blauer Himmel und eine lachende Sonne“ lassen sie „hoch auf“ atmen. Da aber steht sie auf dem Balkon ihrer neuen Wohnung, wiederum ein Symbol im Sinne Fontanes, Effi fehlt der sichere Boden unter den Füßen. Tatsächlich trügt der Schein, das „Wetter war beinahe sommerlich warm“, eine atmosphärische Gaukelei im März. Und in der Tat holt sie bereits in den Ferien in Hohen-Cremmen die bittere Erkenntnis ein, „es nicht los(zu)werden“. Hier sitzt Effi am Fenster, um ihre Verfehlungen zu bedenken: „Aber es war nur die Nachtluft, die ging.“ (224) Diese Nachtluft, im Gegensatz zur „hellen Luft“ des Tages, die mit (Atem)Freiheit assoziiert ist, beschreibt atmosphärisch die dunkle Seite der Existenz, wie sich der Schatten zur Sonne verhält. Sie assoziiert, dass Effis Freiheit nicht mehr im Lebenkönnen haftet, sondern im Sterbendürfen endet. Parallel dazu fallen die seelischen „Beängstigungen“ mit der Zeit zwar von Effi ab, zeigen sich aber fortan in körperlichen Symptomen, die das Atmen beschweren, in „katarrhalischen Affektionen“ (227). Die damit verbundene Atemnot taucht nach dem Entdecken der Briefe von Crampas und ihrem Verstoßenwerden als psychosomatisches Symptom wieder auf.
Endgültig ist Effi nach dem Entdecken der Liebesbriefe um „freie Luft und lichte Sonne“ (260) gebracht. Die neue Unterkunft in der Pension raubt „der sehr empfindlichen Effi den Atem“ (266) und am gescheiterten Wiedersehen mit Annie droht sie zu „ersticken“ (279). Da enthält der Bittbrief des alten Arztes Rummschüttel an die Eltern, ihr mit der Rückkehr nach Hohen-Cremmen den lebenserhaltenden „Luftwechsel“ (281) zu ermöglichen, zwar eine gut gemeinte, aber letztlich unwirksame Therapie. Noch einmal steht Effi dort auf der Schaukel, aber die Sehnsucht nach Freiheit, die „früher“ damit verbunden war, ist einer Sehnsucht nach Befreiung durch den Tod gewichen: „Ach, wie schön es war, und mir die Luft wohltat; mir war, als flög ich in den Himmel. Ob ich wohl hineinkomme?“ (287) Proportional, wie ihr die Lebensluft den Atem raubt, wächst Effis „Luftbedürfnis“ im Freien, ein Bedürfnis freilich, das einem hektischen Ringen nach Luft gleicht. „Dabei war ihr Luftbedürfnis in einem beständigen Wachsen, und zumal wenn Westwind ging und graues Gewölk am Himmel zog, verbrachte sie viele Stunden im Freien.“ (289) Ihre angegriffenen Atemorgane setzt sie dabei ständiger Bedrohung aus. Und wie bereits das toxische Medikament gegen Asthma und Keuchhusten die psychischen Beschwerden zu lindern versuchte, so zeigt die „Luft“, die Effi einatmet, um sich freier zu fühlen, ebenfalls ihre toxische Wirkung. Einmal noch genießt sie im Sommer die „freie Luft“ und „atmet beglückt den Duft ein, der von den Raps- und Kleefeldern herüber(kommt)“ (296). „Die Nachtluft und die Nebel“, die Effi am Fenster sitzend „einsaugt“, bedeuten ihren Tod. Es ist „der stillste und höflichste Selbstmord“[xxxii], den die deutsche Literatur zu bieten hat:
Frau von Briest sah, daß Effi erschöpft war und zu schlafen schien oder schlafen wollte. Sie erhob sich leise von ihrem Platz und ging. Indessen kaum, daß sie fort war, erhob sich auch Effi und setzte sich an das offene Fenster, um noch einmal die kühle Nachtluft einzusaugen. Die Sterne flimmerten, und im Parke regte sich kein Blatt. Aber je länger sie hinaushorchte, je deutlicher hörte sie wieder, daß es wie feines Rieseln auf die Platanen niederfiel. Ein Gefühl von Befreiung überkam sie: „Ruhe, Ruhe.“ (300)
Die Methode dieses Todes ist ein adäquates Symbol[xxxiii]: Effi Briest stirbt an ihrem Verlangen, atmen zu wollen. Sie, die „Tochter der Luft“, bleibt im Sterben Täterin und Opfer zugleich. Mit dem Einsaugen der Nachtluft verschafft sie sich als Individuum im selbst gewählten Tod die einzige Möglichkeit, ihren Freiheitsanspruch durchzusetzen und sich aus den Verstrickungen in die Weiblichkeitsrolle zu erlösen, die ihr die Luft zum Atmen nahm.
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[i] Gemeint ist der berühmt gewordene Brief Fontanes an Colmar Grünhagen (10. Oktober 1895), Sämtliche Werke, ed. Otto Drude und Helmuth Nürnberger unter Mitwirkung von Christian Andree (München: Hanser, 1982) 4,4: 487f.: „Er (der schlesische Adel, K.T.) ist gewiß, nach bestimmten Seiten hin, sehr anfechtbar, aber grade diese Anfechtbarkeiten machen ihn interessant und mir auch sympathisch. Es sind keine Tugendmeier, was mir immer wohltut. Ich war nie ein Lebemann, aber ich freue mich, wenn andere leben, Männlein wie Fräulein. Der natürliche Mensch will leben, will weder fromm noch keusch noch sittlich sein, lauter Kunstprodukte von einem gewissen, aber immer zweifelhaft bleibenden Wert, weil es an Echtheit und an Natürlichkeit fehlt. Das Natürliche hat es mir seit langem angetan, ich lege nur darauf Gewicht, fühle mich nur dadurch angezogen, und dies ist wohl der Grund, warum meine Frauengestalten alle einen Knax weghaben. Gerade dadurch sind sie mir lieb, ich verliebe mich in Sie, nicht um ihrer Tugenden, sondern um ihrer Menschlichkeiten, d.h. um ihrer Schwächen und Sünden willen. Sehr viel gilt mir auch die Ehrlichkeit, der man bei den Magdalenen mehr begegnet als bei den Genoveven.“
[ii] Vgl. im Überblick Christian Grawe, Theodor Fontane: Effi Briest (Frankfurt/M.: Diesterweg, 1998) 99. Vgl. des weiteren Daragh Downes, "Effi Briest", Fontane-Handbuch, ed. Christian Grawe und Helmuth Nürnberger (Tübingen: Kröner, 2000) 637.
[iii] Unberücksichtigt blieb—wie Christian Grawe moniert—, dass diese Beschreibung nur sehr bedingt auf Effi Briest zutrifft (99). Für Grawe ist „das Wasser“ lediglich Symbol sexueller Wünsche, die „zum Ausbrechen aus den Fesseln der bürgerlichen Wohlanständigkeit und Ordnung, zum unkonventionellen Verhalten“ (101) verlocken.
[iv] Dass das Versinken ein eigenes Motiv des Romans ist, hat nachgewiesen Hugo Aust, "Effi Briest oder Suchbilder eines fremden Mädchens aus dem Garten," Fontane Blätter 64 (1997): 75f.
[v] Downes 638.
[vi] Zit. wird im Folgenden nach der Nymphenburger-Ausgabe., Theodor Fontane. "Effi Briest", Gesammelte Werke, vol. 3 (München: Nyphenburger, 1979) 5-301.
[vii] Vgl. zur möglichen Beziehung zu Calderons „Tochter der Luft“ Aust 81ff.
[viii] Thum streift in seinen Ausführungen lediglich das Motiv der „Luft“: „Linked with the swing motif is Effi’s need for light and air. This need expresses in a concrete form her desire to escape from situations wich stifle her morally and psychologically.“ Reinhard H. Thum, „Symbol, Motif and Leitmotif in Fontane’s Effi Briest, “ The Germanic Review LIV.1 (1979): 118.
[ix] Joachim Dyck und Bernhard Wurth, „'Immer Tochter der Luft'. Das gefährliche Leben der Effi Briest,“ Psyche 39 (1985): 621. Dyck und Wurth analysieren den Roman vor dem Hintergrund der Thesen Michael Balints zum oknophilen und philobatischen Charakter. Letzterer, dem Effi zuzuordnen ist, zeichnet sich durch sein Verlangen nach Angstlust aus. Dyck und Wurth weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass nach Balint philobatische Situationen heroisch, phallisch-narzißtisch, sehr männlich und zugleich sehr kindlich sind. (625, Anm. 6.)
[x] Norbert Mecklenburg, Theodor Fontane. Romankunst der Vielstimmigkeit (Frankfurt/M.: Suhrkamp 1998) 271.
[xi] Vgl. Mecklenburg 268.
[xii] Trippelli ist für Effi insofern bewundernswert, als sie eine wahre „Künstlerin der (Atem)Luft“ ist. Als Sängerin außerhalb der gesellschaftlichen Norm stehend—was das symbolische Fehlen des Mieders deutlich macht—, steht sie in doppeltem Sinne für den Genuss freier Atemluft: „Freilich bin ich auch nie eingepreßt; Brust und Lunge müssen immer frei sein, und vor allem das Herz. Ja, meine gnädigste Frau, das ist die Hauptsache.“ (96).
[xiii] Vgl. Mecklenburg 268ff.
[xiv] Bezeichnenderweise rät Roswitha ihrer Herrin, die nach ihrer Trennung von Innstetten zum Zeitvertreib armen Kindern Nachhilfestunden zu geben, von ihrem Vorhaben mit dem Hinweis auf den „Dunst und Schmook“ ab, den diese Kinder in die Räumlichkeiten bringen, „das halten die gnädige Frau gar nicht aus“ (271).
[xv] Auch Geert von Innstetten wird ein Opfer des Geschlechtsstereotyps, auch er trägt die Last eines verinnerlichten Männlichkeitsbildes. Innstetten kann als literarisches Paradigma männlicher Fragilität hinter männlicher Stärke gelten. Von tadelloser Haltung, ist er ein Beispiel des im Koordinatensystem von Militär- und Staatsdienst favorisierten Männerbildes im Kaiserreich, besitzt er doch Qualitäten, die seine künftige Braut schon aufzuzählen weiß, bevor sie ihn kennen gelernt hat. So ist er nicht nur „sehr männlich“ (10), sondern sogar „sehr schneidig“—schließlich hat er im Deutsch-Französischen Krieg das „Eiserne Kreuz“ erhalten und treibt nun sein Aktenstudium mit wahrem „Biereifer“ (13) voran. Effis Vorstellung vom rechten Mann stimmt mit dem herrschenden Männerbild überein. Gleichzeitig offenbart ihr Unbehagen, „wenn er nur ein bißchen anders wäre“ (35), einen uneinlösbaren Glücksanspruch. Innstetten besitzt Qualitäten, die ein gesellschaftliches Funktionieren garantieren, Identitätsfindung aber als Prozess der Entindividualisierung definieren. Nur in wenigen Momenten scheint er sich des „Doppelgängers“ (Plessner), d.h. der Duplizität von privater und gesellschaftlicher Rolle bewusst zu werden und sich nicht an seine soziale Figur zu verlieren. Ihm gelingt es nicht, „einen Ausgleich zwischen der privaten und der öffentlichen Hälfte seines Selbst herzustellen und durchzuhalten“ (Helmuth Plessner, „Soziale Rolle und menschliche Natur (1960), “ Gesammelte Schriften, ed. Günter Dux, Odo Marquard und Ernst Stöker, vol. 10 (Frankfurt/M.: Suhrkamp 1985): 235. So geschieht es, dass er just in dem Moment, als er seine vom herrschenden Männlichkeitsdiskurs der Gesellschaft verschüttete Liebesfähigkeit zeigt, seine Kapitulation vor der Rolle in der Duellforderung eingestehen muss. Mühsam zwingt er sich in ein Rollenkorsett, um das in äußerster Konsequenz zu sein, was er sein muss: männlich - ein Attribut, das ihm im wahren Wortsinn lebensgefährlich wird und sein Lebensglück zerstört. Vgl. zum Männlichkeitsbild um 1900 Karin Tebben, ed., Abschied vom Mythos Mann. Kulturelle Konzepte der Moderne (Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht).
[xvi] Das gilt ebenso für Crampas. Vgl. hier Pütz: „Mit fortschreitendem Geschehen wird immer deutlicher, daß an die Stelle eines tief verwurzelten Empfindens die Romanze tritt, und so läßt Effi bis zum Ende ihres noch jungen Lebens Zweifel daran, daß sie Crampas im Grunde gar nicht geliebt hat. Wie Bücher und poetische Texte das im Leben schmerzlich vermißte kompensieren sollen, so dient das Verhältnis zu dem dichtenden und zitierenden Major der Überbrückung der affektiven Leere in der Beziehung zu ihrem Mann. “ Peter Pütz, „Wenn Effi läse, was Crampas empfiehlt... Offene und verdeckte Zitate im Roman,“ Theodor Fontane. Text und Kritik. Sonderband (1989): 174-84.
[xvii] Downes 641.
[xviii] „Was Effi zum Ehebruch treibt, ist nicht mit einem Wort gesagt“, stellt Aust in seinem grundlegenden, die Widersprüche des Romans aufdeckenden Essay fest (80). Effis Charakterisierung bezeichnet er darin als „modern verwirrend, geradezu dekonstruktivistisch“, da sie im Grunde immer nur „das andere“ sei: „Als solches ‚selbstloses‘ Wesen steht sie wohl immer im Dienst eines ‚Vorgesetzten‘, die als ‚andere‘ gerade auch in der Ehe mit Innstetten oder im Seitensprung mit Crampas erfüllen muß, was ‚die eine‘ sich versagt hat.“ (79) Vgl. Anm. 4.
[xix] Mecklenburg 277.
[xx] Erwin Kobel, „Die Angst der Effi Briest. Zur möglichen Kierkegaard-Rezeption Fontanes,“ Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts (1994): 260f. Crampas, so zeigt Kobel, „ängstigt“ Effi zu sich heran, indem er ihre Angst mit seinen Geschichten schürt und ihr gleichzeitig den Zufluchtsort jenseits ihrer Ehe bietet. Das ist nur darum möglich, da (wiederum im Rückgriff auf Kierkegaard) Angst dem Menschen auch die Möglichkeit der Freiheit offenbart. (277)
[xxi] Barbara G. Walker, Das geheime Wissen der Frauen. Ein Lexikon (München: DTV, 1995) 336.
[xxii] Dyck und Wurth 630.
[xxiii] Grawe 113 macht darauf aufmerksam, dass das Schleifen der Gardinen auf dem Dachboden „bei dem starken Luftzuge“, der durch die geöffneten Fenster verursacht ist, in deutlicher Verbindung mit den emotionalen und sexuellen Unzulänglichkeiten der Ehe steht. Assoziiert wird in diesem Zusammenhang das sexuell konnotierte „Tanzen“—dessen sie auf dem Silvesterball nicht mehr bedarf, weil sie mit Crampas eine Affäre begonnen hat. Insofern ist mit den beruhigten Schleiern, die nicht mehr im Wind flattern, ein Zeichen dafür gegeben, dass die (unbewusste) Entscheidung für diese Beziehung gefallen ist.
[xxiv] Crampas dient die Poesie zur erotischen Verlockung. Seine Lektüre-vorschläge zeigen, dass er zwar in Effi verliebt ist, doch „sein Gemütszustand . . . zugleich das Produkt einer verallgemeinernden Poetisierung [ist]. Seine höchst literarisierte Werbung verrät, daß sein Begehren weniger der Geliebten als dem gilt, was er 'das Romantische' nennt, und daß ihm die Romanze wichtiger ist als die Liebe.“ Pütz 180f.
[xxv] Mecklenburg 271ff.
[xxvi] Mecklenburg 264ff.
[xxvii] Insofern muss hier Mende widersprochen werden. Dirk Mende, „Frauenleben. Bemerkungen zu Fontanes 'L’Adultera' nebst Exkursen zu 'Cécile' und 'Effi Briest',“Fontane aus heutiger Sicht, ed. Hugo Aust, (München: Nymphenburger Verlagshandlung, 1980) 201.
[xxviii] Vgl. Mende 205f.
[xxix] Stefan Neuhaus, „Geheimrat Zwickers Affären. Zur Funktion einer Nebenfigur in 'Effi Briest',“ Fontane Blätter 64 (1997) 124-32.
[xxx] Insofern gehört Rummschüttel zur „jungen Schule“, die im Krankheitsfall nicht zur Askese raten, sondern zum „tüchtig essen“ (201).
[xxxi] Curt Hunnius, Pharmazeutisches Wörterbuch (Berlin [u.a.]: de Gruyter, 1998).
[xxxii] Dieter Wellershoff, Der verstörte Eros. Zur Literatur des Begehrens (Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2001) 159.
[xxxiii] Vgl. dagegen Thum 118, der Effis Krankheit (die im übrigen keineswegs als Tuberkulose zu identifizieren ist) als Ausdruck ihres Opferstatus‘ in der Gesellschaft wertet.